Editorial

Editorial: Frankfurt School Blockchain Center, Bundesbank, Container-Tracking, Kryptowährungen

Eine kurze Nachricht in eigener Sache: An der Frankfurt School of Finance & Management wurde jüngst ein Blockchain Center gegründet, dessen Leiter ich bin. Das Frankfurt School Blockchain Center versteht sich als Think Tank und Forschungszentrum und beschäftigt sich vor allem mit den Implikationen der Blockchain-Technologie für Unternehmen und Wirtschaft. Von Interesse könnten die folgenden beiden Veranstaltungen sein, die wir organisieren: Am 29.03.2017 veranstalten wir ein Webinar zum Thema „Die Blockchain-Technologie in der Echtzeit-Energiewirtschaft“. Weiterhin veranstalten wir am 04.04.2017 einen „Business Model Workshop - Blockchain, Smart Contracts und Use Cases“ in München.

Die Blockchain-Technologie erfährt wiederum hochrangige Unterstützung: Dem Präsident der Bundesbank zufolge ist die Blockchain-Technologie ein wesentlicher Treiber für die Veränderung von Finanzmärkten. Der Logistiker Maersk möchte nun Handelsprozesse und Container mit der Blockchain verfolgen und erhofft sich Verbesserungen von Geschäftsprozessen.

In der Welt der Kryptowährungen geht es derzeit rund: Vor kurzem wurde der erste börsengehandelte ETF auf Bitcoin mit Freude erwartet, aber die amerikanische Börsenaufsicht versagte die Genehmigung aus verschiedenen Gründen. Der Kurs brach jedoch nur für kurze Zeit ein.

Der Kurs stabilisierte sich, dann kam es zu einer echten „Katastrophe“. Dem Bitcoin-System droht die Spaltung. Seitdem mit dem Bitcoin die Leitwährung aller Kryptowährungen das Licht der Welt erblickt hatte, wurde die Bitcoin-Blockchain noch nie gehackt. Sehr wohl aber wurden bekanntermaßen die Ein- und Austrittspunkte (d.h. die Wechselbörsen) in diese Währung gehackt.

Nun könnte man sagen, dass sich Bitcoin selbst hackt. Es gibt in der Bitcoin-Welt zwei streitende Gruppen: Bitcoin Core und Bitcoin Unlimited. Vordergründig geht es um Fragen der Software-Architektur. Im Kern aber geht es vielmehr um unterschiedliche Ansätze, wie man die Zukunft von Bitcoin gestalten möchte. Und es geht um Interessen: Dabei haben diejenigen, die Bitcoin weiterentwickeln und v.a. anwenden wollen (die Community) andere Interessen, als diejenigen, die das Bitcoin-Netz betreiben, und damit Geld verdienen (die Miner). Zu Recht fragen darf man sich hier, wie dezentral eigentlich Bitcoin bei so viel Konzentration von Macht wirklich ist. Jedenfalls könnte dieser zunehmend offene Streit zur Teilung des Bitcoins führen. Damit gäbe es zwei Bitcoin-Systeme, die sich unterschiedlich entwickeln würden. Mittelfristig muss dies nicht schlecht sein. Kurzfristig jedoch verbreitet diese Situation eine große Unsicherheit, die den Bitcoin-Preis nun vor einigen Tagen einbrechen ließ. Dabei scheint sich sogar eine Entwicklung abzuzeichnen, wonach Bitcoin-Besitzer aufgrund dieser Unsicherheit in andere Kryptowährungen flüchten – denn der Bitcoin-Preis und der Preis anderer starker Kryptowährungen verhielt sich teils in entgegengesetzter Richtung. Diese Entwicklungen zeigen eindrucksvoll, dass die Märkte für Kryptowährungen nach durchaus bekannten Mustern funktionieren – inklusive der Psychologie wahrgenommener Unsicherheit.

Herzlichen Dank für das Lesen des Blockchain Briefings diese Woche. Wenn Sie Vorschläge und Ideen haben, antworten Sie mir gerne. Ich freue mich, von Ihnen zu hören! Ich freue mich auch, wenn Sie dieses Briefing an Ihre Kollegen weiterleiten würden.

Philipp Sandner, Frankfurt School Blockchain Center

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